Inmitten dicker Mauern

Rhodos-Stadt hat zwei Gesichter: Der alte Teil ist von einer Festung umgeben, der neue supertrendy. Auf ihre Kosten kommen in der Dodekanes-Metropole sowohl Geschichts- als auch Kulinarik-Fans.

Schenkt man der griechischen Mythologie Glauben, verfiel der Sonnengott Helios der Nymphe Rhodos, und als er sein Licht über sie strahlen ließ, verwandelte sie sich in eine Insel . . .

Wie Rhodos auch immer entstanden sein mag – eine Reise ist die Dodekanes-Insel, übrigens eine der größten im östlichen Mittelmeer, in jedem Fall wert. Aber nicht nur aufgrund der rund 270 jährlichen Sonnentage (Helios sei Dank!), sondern auch oder gerade wegen Rhodos-Stadt! Das Kapital in Rhodos’ Norden ist Verwaltungssitz der gesamten Inselgruppe des Dodekanes im Ägäischen Meer, dem etwa auch Karpathos und Kos angehören. Rhodos, gegründet 408 v. Chr., stand bis 1912 übrigens unter osmanischer Herrschaft und gehörte danach (wie alle Dodekanes-Inseln) bis 1947 zu Italien.

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Die Insel Rhodos zählt etwa 120.000 Einwohner, von denen rund die Hälfte in Rhodos-Stadt lebt.

Viele assoziieren mit Rhodos sofort eines der sieben Weltwunder – den Koloss von Rhodos. Diese Statue des besagten Sonnengottes Helios thronte einst am Eingang des Hafens, wurde jedoch um 226 v. Chr. Opfer eines Erdbebens, das auch große Teile der Stadt zerstörte.
Den Koloss findet man heutzutage also nur noch in Souvenirläden. Die Einfahrt des Mandraki-Hafens wird mittlerweile von einem Damhirsch-Pärchen flankiert – Rhodos’ Wappentier, das man sogar auf Gullydeckeln findet und das Legenden zufolge auf die Insel geholt wurde, um sie von Giftschlangen zu befreien.

 

Majestätisch

Den Erdbeben zum Trotz ist Rhodos eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Festungsstädte Europas. Alt- und Neustadt sind deutlich voneinander abgegrenzt. In die beeindruckende Altstadt gelangt man über insgesamt acht Tore in den Stadtmauern. Sieht man vom touristischen Trubel ab, der in den Sommermonaten auf Rhodos herrscht, fühlt man sich beim Eintritt ins ursprüngliche Zentrum schon etwas ins Mittelalter versetzt: Rund vier Kilometer Stadtmauer, imposant mit Bastionen und Türmen geschmückt (und im Schnitt zwölf Meter dick!), schmiegen sich schützend um das Altstadt-Juwel.

 

Foto: Freeartist

Die Landseite ist durch einen etwa 30 Meter breiten Graben geschützt. Die Straßen sind großteils mit großen, runden, glatt geschliffenen Kieseln gepflastert (also weniger Highheels-geeignet …). Viele der antiken Gebäude beherbergen heute Restaurants, Cafés und Geschäfte, die regionale Handwerkskunst wie Lederwaren und Schmuck anbieten.

 

Kulinarische Hotspots

In Sachen Essen sollte man vor allem in der Rhodos’ Altstadt wissen, wo man hingeht – denn klassische Touristenfallen gibt es en masse. Und es wäre doch schade, die richtig guten, von den Locals geschätzten Läden zu verpassen! Zum Beispiel das Alexis Restaurant im Herzen der Altstadt, wo fantastisches Seafood auf den Teller kommt und man während des Essens entweder dem bunten Treiben im Zentrum zusehen kann oder ganz ruhig und idyllisch im hinteren Gastgarten schlemmt. Im Ta Kioupia findet man traditionelle griechische Meze – dabei bestellt man nicht Vor-, Haupt- und Nachspeise, sondern einen bunten Mix an kleineren Gerichten, meist mit einer Fleisch- oder Fischplatte als Höhepunkt. Gleich daneben warten einige coole Bars auf einen Absacker danach.

 

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Das Sissitio ist noch relativ neu, hier sitzt man gegenüber der türkischen Kirche inmitten eines alten Gemäuers unter freiem Himmel – 100 Punkte für die Atmosphäre! Dazu kommen geniale Weine und Cocktails und tolle Pasta.

 

Krasse Gegensätze

Der neue Teil von Rhodos bildet einen deutlichen Kontrast zur Altstadt: Shoppen kann man hier an jeder Ecke, und neben trendigen Boutiquen findet man auch jede Menge internationale Mode- und Gastronomieketten – Starbucks und Co. lassen grüßen. Würde man nicht wissen, dass man sich auf einer griechischen Insel befindet, man würde es im ersten Moment nicht vermuten.

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Aber keine Sorge, in Sachen Gastronomie hat auch die „New Town“ jede Menge Individualität auf Lager – besonders reizvoll ist hier die Kombination aus traditionell und superhip! Unsere Tipps: Im Jasper Gastro-Café gibt es frische und gesunde Frühstücks- und Brunchvarianten, aber auch ausgefallene internationale Food-Kreationen und Salate mit sensationellen Dressings. In der Union Bar serviert man – neben unglaublichen Cocktails – köstliche Burger und Fingerfood in toller Qualität und zu niedrigen Preisen.

Fleischtiger kommen keinesfalls am Stavlos vorbei – die Steaks sind riesig und perfekt auf den Punkt gebraten, die Spareribs zart. Dazu gibt’s hausgemachte Pommes und regionale Weine. Der Gastgarten ist nicht groß, aber mit Glück ergattert man einen Platz und sitzt dann mitten im Zentrumsgeschehen.
Wer es lieber traditionell griechisch mag, ist im Drosoulites an der richtigen Adresse. Auf der riesigen Speisekarte findet man teils kretisch angehauchte Gerichte, und am besten bestellt man – im zuvor erwähnten Meze-Stil – gemeinsam mehrere Vorspeisen und Hauptgerichte und kostet sich durch. Ganz traditionell speist man auch im Koukos Café gegenüber der orthodoxen Kirche – schon morgens beim Frühstück mit original griechischem Kaffee und hausgemachtem Gebäck mit verschiedensten Füllungen von Frischkäse bis Fleisch.

Für alle, die den Lifestyle von Rhodos-Stadt ein paar Tage lang hautnah erleben möchten, vermietet das Koukos auch ein paar Zimmer. Und wenn es mal schnell gehen muss, empfiehlt sich das Augostinos: Traditionelle Take-away-Snacks wie Pita Gyros oder Souflaki sind dort köstlich und supergünstig. Der Laden hat 24/7 geöffnet, was ihn auch zum beliebten Treffpunkt für Nachtschwärmer macht.

 

 

ANJA FUCHS

Mehr über Rhodos

www.rhodos.info
www.rhodos.gr

 

 

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