Kapstadt. Es muss Liebe sein.

Konkurrenzlose Landschaft, grandiose Weine, sonnenverwöhnte Strände. Und: Herzlichere Menschen findet man kaum. An Kapstadt kommen Weltenbummler nicht vorbei.

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Am Big Bay brechen die Wellen am Strand. An einem Windtag wie diesem tummeln sich viele bunte Schirme über dem Wasser vor den Toren der Millionenmetropole. Früher ein Geheimtipp, ist Kapstadt mittlerweile zum Kitesurf-Mekka mutiert. Große Welle, konstanter Wind. Die Profi-Elite trainiert hier über den afrikanischen Sommer, von Dezember bis Februar. Allerdings nicht in Badeshorts, sondern im Neoprenanzug. Auf dieser Seite des afrikanischen Kontinents befindet sich nämlich der Atlantik, der kaltes Wasser mit sich bringt. Die Kapstädter selbst sind’s gewöhnt und haben mit dem Baden kein Problem.

Wer’s wärmer mag, den zieht es bevorzugt Richtung Muizenberg an den St. James Beach. Der Indische Ozean verwandelt das Meer in eine Badewanne. Dort befindet sich gleichzeitig eines der wohl am meisten fotografierten Motive Kapstadts: die quietschbunten Badehäuschen, die über den weißen Strand wachen.

An der südlichsten Spitze Afrikas, am Kap der Guten Hoffnung, treffen der warme Indische und der frische Atlantische Ozean aufeinander und vermischen sich. Auf dem Weg zu diesem Spektakel lohnt sich die Fahrt über den Chapman’s Peak Drive, eine der malerischsten Küstenstraßen der Welt. Kunstvoll in den Felsen gehauen, erheben sich auf der einen Seite hohe, rote Steinformationen, die auf der anderen steil ins blaue Meer abfallen. Ein Herz- und Augenöffner.

Einen gut gefüllten Picknickkorb mitzunehmen, zahlt sich auf jeden Fall aus: Entlang der Küstenstraße gibt es immer wieder Parkplätze mit Sitzgelegenheiten und herrlichem Ausblick.

 

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Wer feilscht, gewinnt

Wer auf den Straßen Kapstadts unterwegs ist, merkt schnell, dass die Menschen dort extrem freundlich und eigentlich stets gut gelaunt sind. Im Herzen der wohl europäischsten Stadt Afrikas werden Geschäfte gemacht. Dort streben hohe Wolkenkratzer gen Himmel. Daneben locken der Stadtbummel durch die lebendige Longstreet mit ihren vielen kleinen Geschäften und Cafés, eine kleine Rast im Company Garden und ein Abstecher auf den zentralen Greensquare Market. Auf dem Kunsthandwerkermarkt verkaufen einheimische Künstler Schüsseln und Figuren aus Holz und Stein, Bilder und Schmuck. Wer Kaufgelüste hat, sollte allerdings unbedingt handeln, die Startpreise sind meist recht hoch.

 

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Aus dem pulsierenden Herzen der Stadt führt eine Straße den Signal Hill hinauf. Kapstadt ist von Meer und Bergen eingekesselt: vorne der Hafen, im Rücken der Tafelberg, Lion’s Head, Devil’s Peak und Signal Hill. Von Letzterem ertönt mittags Punkt zwölf ein Kanonenschlag. Der automatische Blick auf die Uhr verrät: Essenszeit für die rund vier Millionen Kapstädter. Auch abends ist am Signal Hill ordentlich was los. Einheimische und Touristen sitzen auf Picknickdecken. In der Hand ein kühles Bier oder ein Glas Sekt und dazu ein Happen zu essen. Alle warten auf den Sonnenuntergang.

Wer das Glück hat, zu Vollmond in Kapstadt zu sein, und gerne wandert, kann diesen auch vom Lion’s Head aus bewundern. Vom Signal Hill aus führt der Weg auf den Berg, dessen Formation an einen Löwenkopf erinnert. Der Aufstieg dauert je nach Konstitution zwischen einer und eineinhalb Stunden, die körperliche Anstrengung ist es aber auf jeden Fall wert. Am Gipfel entschädigt der 360-Grad-Blick. Im Süden auf Camps Bay, im Westen auf den Stadtteil Clifton, im Osten liegt die Innenstadt mit Tafelberg und Devil’s Peak und nördlich erstrecken sich die Stadtteile des Atlantic Seabord mit Robben Island – der Gefängnisinsel Nelson Mandelas – im Hintergrund. Versinkt die rote Scheibe im Atlantik, wird es auf dem Berg andächtig still.

Dieses Naturerlebnis bedarf keiner Worte. Der Vollmond erleuchtet schließlich den Abstieg. Wer noch nicht heim möchte, nimmt in der Longstreet noch einen Absacker. Ein perfekter Tagesabschluss.

Tafelberg light oder heavy

An windstillen Tagen steht ein Trip auf den Tafelberg am Programm. Gemütliche nehmen die erste Gondel um acht, sportliche die Beine in die Hand. Der zweieinhalbstündige Aufstieg ist nichts für Ungeübte, es gilt, jede Menge Felsstufen zu steigen. Geht man zu spät los, brennt einen die Sonne außerdem erbarmungslos in die Wand. Zu Fuß ist man allerdings einem voraus: den Massen, die mit der Seilbahn auf den Berg fahren. Tafelberg exklusiv geht also nur zu Fuß – was aber nicht heißt, dass man für den Abstieg nicht die Seilbahn nehmen kann . . .

Hoch die Tassen

In Kapstadt kommt man an zwei Dingen nicht vorbei: Essen und Wein. Food-Märkte sind perfekt, um lokale Tropfen und Speisen zu verkosten. Im Vorort Woodstock verschmelzen beim samstäglichen Neighbour Goods Market in einer stillgelegten Keksfabrik tausende Gerüche und Geschmacksrichtungen zu einem kulinarischen Potpourri. Den Saft aus einer eben geöffneten Kokosnuss schlürfen, einen prickelnen Rosé auf der Zunge tanzen lassen, in einen noch warmen Brownie beißen oder ein paar frische Austern schlürfen – himmlisch.

Ebenfalls samstags findet direkt in der Stadt der Oranjezicht City Farm Market statt. Unter weißen Schirmen genießt man bei einem frisch gegrillten Steak oder Kaffee und Kuchen einen atemberaubenden Blick aufs Meer.

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Außerdem gibt’s frisches Obst und Gemüse direkt von der City Farm, einem Non-Profit-Bauernhofprojekt, das seine Produkte direkt auf einem Grundstück mitten in der Stadt anbaut.,

Wer etwas tiefer ins Glas schauen möchte, verkostet lokale Weine am besten direkt bei den vielen Weingütern rund um Kapstadt. Die Weinbaugebiete Stellenbosch, Franschoek, Paarl und Constantia haben sich mittlerweile auch international einen Namen gemacht. Mit dem Miet-auto auf eigene Faust losfahren, den Hop-on-Hop-off-Bus wählen, eine geführte Weintour buchen oder den Zug nehmen: Die südafrikanischen Weine schmecken auf jeden Fall, vor allem die Portweine haben es ganz schön in sich.

Ein Ausflug in die Winelands lässt sich vorher auch gut mit einem Besuch im Botanischen Garten in Kirsten­bosch kombinieren, der als einer der schönsten der Welt gilt. Neben den ausschließlich einheimischen Pflanzen gibt’s im Sommer auch noch etwas anderes zu sehen: Open-Air-Konzerte.

Tipp: Picknick mitbringen und auf der Wiese tanzen.

Buntes Stadtviertel

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Pink, rot, gelb, türkis, orange, grün, blau. Zurück in der Stadt fährt man durch enge Gassen aus Kopfsteinplaster an den kunterbunten Häuserreihen des Bo-Kaaps entlang. Der auch Malaienviertel genannte Stadtteil ist einer der ältesten und ursprünglichsten Kapstadts. Freigelassene Sklaven aus Indien, Malaysia, Sri Lanka und Indonesien siedelten sich im 17. Jahrhundert am Fuße des Signal Hill an und brachten auch gleich ihre Küche mit. Auf Biryani, Sosaties, Bredies, Currys und Boboties schwören auch die Locals. Kosten lohnt sich!

 

ELISABETH KRANABETTER

 

 

3 Top-Tipps

Abseilen vom Tafelberg …
… auf 112 Meter Länge, 30 davon ohne Felskontakt.
www.abseil​afri​ca.co.za
Den besten Kaffee der Stadt …
… gibt’s wohl in der Rösterei Origin. Frühstück und Kuchen sind ebenfalls sensationell.
www.originroas​ting.co.za
Abheben und Kapstadt von oben sehen …
… geht am besten im Helikopter. Spektakulär!
www.helicop​terscapetown.co.za

 

Beitragsbild: Alexcpt