Mallorca kann auch ganz anders

Mallorca kann auch anders. Foto: Dreamstime.com/Maciejbledowski
Wer bei „Malle“ sofort an Horden feierwütiger Touris und schlagergetränktes Massenentertainment denkt, kennt Alcúdia nicht. Hier, im Nordosten der Insel, zeigt  sich Mallorca von seiner Schokoladenseite.

Einst ältestes Dorf der Insel, Hauptstadt und bedeutendstes Macht- und Wirtschaftszentrum Mallorcas – heute ein modernes Kleinod, in dem die Geschichte der Baleareninsel noch auf äußerst charmante Art spürbar ist: Willkommen in Alcúdia. Rund 55 Kilometer von Palma entfernt bietet die zwischen zwei Buchten gelegene 20.000-Einwohner-Stadt all das, wovon viele beim Gedanken an Urlaub auf „Malle“ nicht einmal zu träumen wagen: herrlich relaxte Atmosphäre, eine lebhafte (aber nicht stressige), superhübsche Altstadt mit dem Hafen Port d’Alcúdia und einige der schönsten Strände der Insel in nächster Nähe.

Mallorca kann auc hagnz anders. Foto: Shutterstock/trabantos

Massive Stadtmauern zeugen noch von Alcúdias
Vergangenheit als Inselhauptstadt während der
römischen Besatzung. Foto: Shutterstock/trabantos

Alcúdias  Ortskern lädt auf eine Reise in die Vergangenheit ein, von der schon die imposanten Stadttore zeugen. Fast die gesamte Stadt ist von einer Mauer umschlossen, die früher dem Schutz vor Piraten diente. Maurische und römische Einflüsse prägen das Ortsbild im Inneren, durchsät von kleinen Design- und Kunstläden, Tapas-Bars und Restaurants. Historische Kirchen treffen auf trendige Szeneshops – ein charmanter Mix aus Antike und Moderne. Nicht verpassen sollte man jedenfalls die Markttage in Alcúdia, jeweils dienstags und samstags. Eine bessere Gelegenheit, sich mit typisch mallorquinischem Kunsthandwerk einzudecken oder sich durch landestypische Spezialitäten durch zu kosten, bekommt man kaum.

Mallorca kann auch ganz anders. Foto: Shutterstock/Allard One

Populärster Aussichtsspot in 384 Meter Höhe und
nördlichster Punkt Mallorcas: Cap Formentor.
Über der bizarren Steilküste der Halbinsel thront
stolz der Leuchtturm, umwachsen von raren,
geschützten Pflanzenarten. Foto: Shutterstock/Allard One

Auch am Jachthafen wird der Gaumen ordentlich verwöhnt. Entlang des Port d’Alcúdia finden sich zahlreiche Top-Restaurants, die spanische und italienische Küche servieren – hier schmecken Steak, Pasta, Tapas und Vino mit Ausblick auf Meer und schwimmende Nobelvillen. Der gleichnamige Badeort zählt zu den populärsten im Norden der Insel, dementsprechend groß ist auch das Hotel- und Freizeitangebot.

Mallorca kann auch ganz anders. Foto:Shutterstock/Michael Mulkens

Die Kathedrale Sant Jaume, anno 1880 im neogotischen Stil restauriert, bildet einen Teil von Alcúdias Stadtmauer. Foto:Shutterstock/Michael Mulkens

Auf römischen Spuren

Geschichte gefällig? Am Stadtrand von Alcúdia liegen die Überreste der römischen Stadt Pollentia, Vorgänger des heutigen Alcúdia. Entdeckt wurden die Ruinen im 16. und 17. Jahrhundert beim Bau der neuen Stadtmauer. Die Fundstücke der Ausgrabungsstätten können im Museu Monogràfic de Pollentia begutachtet werden.

Tipp: Wer Pollentia ganz in Ruhe besuchen möchte, kommt am besten in der Früh. Dann bleibt am Nachmittag auch noch mehr Zeit für den Strand. Sowieso ganz großes Thema rund um Alcúdia – denn die umliegenden Buchten sind mehr als nur einen Abstecher wert! Hauptstrand ist die Playa de Alcúdia, die sich mit weißem Sand und kristallklarem Wasser sieben Kilometer lang gen Süden erstreckt, vor Wassersportmöglichkeiten (Surfen, Wasserski u. v. m.) nur so strotzt und vor allem im Vorort Ciudad Blanca von Lokalen gesäumt wird.

Mallorca kann auch ganz anders. Foto: Shutterstock/lunamarina

Fast schon zu kitschig, um wahr zu sein: Die Playa de Alcanada mit Aussicht auf die winzige Insel mit Leuchtturm schmückt nicht umsonst unzählige
Postkarten. Foto: Shutterstock/lunamarina

Etwas ruhiger geht es an der etwas weiter südlich gelegeneren, sechs Kilometer langen Playa de Muro zu, die Port d’Alcúdia mit dem Ferienort Can Picafort verbindet und die so flach abfällt, dass man zum Schwimmen schon etwas Aqua-Jogging einplanen muss. Am ruhigsten ist es hier an den Strandabschnitten Es Comu und Es Capellans, die ans Naturschutz- und Feuchtgebiet d’Albufera grenzen, das großen Vogelpopulationen und Wasserbüffeln Heimat bietet. Sehenswert – und idyllisch ruhig – ist in jedem Fall auch der Kiesstrand von Alcanada am  Stadtrand von Alcúdia, mit (fast schon kitschigem) Panorama auf die winzige Isla de Alcanada inklusive Leuchtturm. In Alcanada befindet sich übrigens auch ein 18-Loch-Golfplatz mit Meerblick.

Wer das ganz Pure, Wildromantische sucht, muss nach Ses Caletes – ein völlig naturbelassener Strand inmitten einer rauen Hügellandschaft mit Perspektive auf die Halbinsel Victoria, die Bucht von Pollensa und das Cap Formentor, nördöstlichster Spot der Insel und wohl auch ihr spektakulärster Aussichtspunkt. Dem man natürlich einen Besuch abstatten muss. Während der Hochsaison allerdings am besten frühmorgens! Denn auch wenn Mallorcas Norden in der Regel nicht vor Touristen wimmelt – an den Sightseeing-Highlights ist schnell mehr los, als einem lieb ist.

ANJA FUCHS