Thessaloniki: Makedoniens Metropolis

Thessaloniki
Schmelztiegel der Kulturen, Hafenstadt, griechisches Temperament plus die immer charmante Liaison aus Antike und Moderne: Thessalonikis Zutatenliste hält definitiv, was sie verspricht.

Bereits unser Athen-Bericht im Vorjahr war ein Plädoyer für Griechenlands Festland abseits der typischen Ferieninseln. Diesmal haben wir uns die zweitgrößte  Stadt der hellenischen Republik vorgenommen: Thessaloniki. Eine rund 1,1-Millionen-Einwohner-Residenz an der Meeresbucht von Thermaikos, liebevoll auch „Metropolis von Makedonien“ oder „Symproteusousa“ (zweite Hauptstadt) genannt.

Stadtmauern Thessaloniki

Die antiken Stadtmauern der Oberstadt – hier im Bild mit dem Trigoniou-Turm – bieten ein perfektes Panorama. | Foto: Aleksandr Stezhkin/Shutterstock

Eine Hafenstadt, die mittlerweile 23 Jahrhunderte auf dem Buckel hat: 316 v. Chr. beschloss König Kassandros, 26 kleine Küsten-, Binnenstädte und -dörfer der Gegend zusammenzulegen. Thessaloniki war geboren. Dank seiner privilegierten geografischen Lage – das Meer im Süden, der Berg Chortiatis im Nordosten, ein sicherer Hafen, der Makedonien mit der Ägäis und dem östlichen Mittelmeer verband, Straßen in alle Richtungen – etablierte sich Thessaloniki schnell als bedeutendes Handelszentrum, Militär- und Marinestützpunkt. 1430 von den Osmanen erobert, wurde die damals komplett zerstörte Stadt von der jüdischen Bevölkerung wieder aufgebaut und schließlich 1912 von der griechischen Armee zurückerobert.

Man könnte sagen, Thessaloniki ist eine Stadt, die nie aufgehört hat zu wachsen. Noch heute gilt sie als Scheideweg zwischen westlicher und östlicher Welt, als Ort der Begegnung, des Zusammenspiels verschiedener Völker, Religionen und Kulturen.

Hafen Thessaloniki

Eine Hafenrundfahrt – um Beispiel mit dem Piratenschiff – verschafft einen Überblick über Thessaloniki. Drinks inklusive. | Foto: Unsplash/Vangelis Kovu

Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, eignet sich zum Beispiel eine Hafenrundfahrt mit dem Schiff (meist inklusive Drinks). Schon da fällt auf: Thessaloniki vereint historisch mit hip. Da antike Architektur, dort Street-Art – wer künstlerische Atmosphäre mag, wird Thessaloniki lieben.

Zu den Sightseeing-Highlights zählt zweifellos die orthodoxe, mit aufwendigen Fresken und Mosaiken gestaltete Kirche Hagia Sophia mitten im Zentrum.

In puncto Stadtviertel sollte man sich Ano Poli nicht entgehen lassen, die Altstadt oder auch Oberstadt rund um die Akropolis (die hier allerdings weniger imposant ist als in Athen). Traditionelle makedonische Architektur verzaubert das Auge, urige Tavernen und Cafés den Gaumen. Rund um die Altstadt zieht sich die etwa acht Kilometer lange Stadtmauer inklusive Zitadelle, von der aus man einen wunderbaren Ausblick über die Stadt und den Thermaischen Golf genießt – vor allem vom runden Alyseosoder Trigoniou-Turm aus. Als wohl bekanntestes Wahrzeichen der Stadt gilt der Weiße Turm Lefkos Pyrgos an der Uferpromenade, errichtet von venezianischen Baumeistern und letztes Relikt der ansonsten komplett zerstörten Hafenbefestigung. Erbaut während der Besetzung durch die Osmanen, diente der Turm später als Waffenlager und Gefängnis. Nach der Befreiung aus der osmanischen Herrschaft wurde er als Zeichen des Neubeginns weiß  gespachtelt. Heute trifft man sich – vor allem in den Sommermonaten – abends gern zum Relaxen am Weißen Turm.

Tief in die regionale Geschichte eintauchen kann man in den zahlreichen Museen Thessalonikis – vom archäologischen Museum rund ums antike Makedonien über ein jüdisches und ethnologisches Museum bis hin zum Museum der byzantinischen Kultur.

Prost und Mahlzeit in Thessaloniki

 Tavernen Thessaloniki

Einladend: die bunten Tavernen in Thessalonikis Altstadt. Bestell-Tipp: Meze – ein Mix an Vorspeisen zum Durchkosten durchs Repertoire. | Foto: Ververidis Vasilis/Shutterstock

Wer Trubel und Stimmung sucht, findet diese (zumindest außerhalb eines Corona- Jahres) vor allem rund um den Hafen. Im ehemaligen Gebäude der Fix-Brauerei organisiert die alternative Szene regelmäßig Konzerte, Workshops und Festivals. In den hippen Bars an der Uferpromenade trifft sich vorwiegend sehr junges Publikum. Etwas entspannter geht es in den Tavernen, im Kafenion oder in der Oberstadt zu. Sitzen, Kaffeetrinken und Leute-Schauen kann man am besten an der Flaniermeile rund um die Platia Aristotelous.

Mondiona-Markt

Kulinarisch heiß her geht es am Mondiano-Markt. egal, ob Fleischtiger, Fischfan oder Vegetarier: Den seit 1930 bestehenden Food-Market verlässt man sicher nicht hungrig. | Foto: Unsplash/Vianney CAHEN

Wer trinkt, muss auch … richtig: essen! Spektakulärster Food-Hotspot Thessalonikis ist der zentral gelegene, überdachte Mondiano- Markt. Hier findet das Feinschmeckerherz alles, was es begehrt: frischen Fisch, spezielle Käsesorten, Nüsse, Gewürze, Oliven, getrocknetes Obst und, und, und. Auch der offene Karpani-Markt – ältester Markt der Stadt – ist einen Besuch wert. Aber Achtung: Hier wird geschrien und gefeilscht, was das Zeug hält! Ja, Essen ist in Griechenland ein emotionales Thema, und Thessaloniki gilt nicht umsonst als Paradies für Schlemmer.

Rund 500 Jahre Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich spiegeln sich natürlich auch in der Küche wider. Neben würzigem Getrockneten und Eingelegten findet man auch  zig Bäckereien mit köstlichen Süßspeisen – etwa Galaktoboureko, ein griechisch-türkisches Dessert aus Strudelteig, gefüllt mit Grießpudding und Sirup. Oder Thessaloniki-typische Triangel: cremig-süß gefüllte Blätterteigtüten. Zum Essen und Trinken abends eignet sich am besten das Gastroviertel Ladika. Tipp für alle, die an kulinarischer Entscheidungsschwäche leiden: am besten Meze bestellen – viele Vorspeisen, die sich alle am Tisch teilen.

Und sonst?

Idyllische Badestrände sucht man in Thessaloniki vergeblich – dafür gibt es rundherum zahlreiche tolle, auch per Wassertaxi erreichbare Buchten, z. B. Peraía oder Néoi Epivátes. Ist man schon vor Ort, sollte man unbedingt einen Abstecher auf die Halbinsel Chalkidiki einplanen: Eine Stunde mit dem Bus und schon warten die herrlichsten Strände der Region. Griechische Idylle fernab von Massentourismus gibt’s auch auf der nur rund zwei Stunden entfernten Insel Thassos – dank ihrer üppigen Pflanzenwelt auch bekannt als „grüner Smaragd“ der Ägäis. Ebenfalls empfehlenswert: eine Tour zu den weltberühmten Meteora Klöstern und natürlich zum Olymp – mit 2917 Metern höchster Berg Griechenlands und Thron der Götter.

Beitragsbild: Ververidis Vasilis/Shutterstock

ANJA FUCHS