Uraufführung von 15 bis 5

Wenn selbst für einen der bekanntesten Winzer der Südsteiermark die Verkostung der eigenen Lagenweine zur Premiere wird, schmeckt und lauscht man gespannt wie ein Pfitschipfeil. Vorhang auf für „Therese“.

Die Theresienhöhe. Eine leichte Brise weht den Reben hier stets um die Nase. Auf über 500 Meter Seehöhe stehen wir in einem der höchstgelegenen Weingärten in Sausal-Nähe. Familie Polz nennt diese Lage liebevoll „Therese“ und gräbt man mit den Fingern in der Erde, erahnt man ob des Schieferbodens und außergewöhnlichen Terroirs die Pikanz und Mineralik der Therese.

Die Therese, der Therese? Ob anmutiges Fräulein oder ausstaffierter Herr – jede Flasche Therese umschließt lagerfreudigen, sortentypischen Sauvignon blanc der besagten Lage. Seit 1912 befindet sich das Weingut Polz, das zu einem der größten und erfolgreichsten Betriebe der Steiermark zählt, im Familienbesitz und wurde von Vater Erich und Onkel Walter, die es von ihren Eltern übernahmen, Stück für Stück zu seiner heutigen Größe ausgebaut. Auch Onkel Reinhold prägt nach wie vor den Weg des Familienbetriebs mit und mit Christoph Polz ist auch die jüngste Generation bereits aktiv im Keller vertreten.

Eine Höhe mit Tiefen

Der Weingeist im Innenhof heißt die Gäste am Gut Pössnitzberg willkommen.

Die Theresienhöhe wird seit 2001 von den südsteirischen Weinzampanos und Brüdern Erich und Walter Polz bewirtschaftet, die natürlichen Charakteristika des Bergs zwangen das Duo damals zu einer neuen Stilistik. In der Historie der Theresien­höhe spielt allerdings noch ein weiteres Familienmitglied eine entscheidende Rolle: Walter Polz’ Schwager Werner legte einst den Weingarten auf der Theresienhöhe an.

„Er war damals Anfang 20 und hatte eine Vision. Leider verstarb er viel zu früh. Dass sich dieser Kogel so entwickelt hat, würdigt seine Arbeit und wenn wir durch den Weingarten spazieren, spüren wir förmlich die Energie, mit der er die Rebstöcke damals hier auspflanzte“, erinnert die Familie sich an die Ursprünge.

 

Lampenfieber

Szenenwechsel. Gut Pössnitzberg in Leutschach. Gut 20 Autominuten vom der Theresienhöhe entfernt, liegt das Polz’sche Weinhotel samt Sektkeller und angeschlossener Gaststätte. Hier gewährt man dem Sauvignon blanc Therese in unserem Beisein eine ganz besondere Bühne. Die Therese-Vertikalverkostung der Jahrgänge 2015 bis 2005 ist wahrlich eine Premiere, auch für die Winzerfamilie selbst. Knapp 25 Weinkundige und Freunde des Hauses haben sich versammelt, um elf Weine aus bester Lage geprägt von paläozoischem Schiefer zu beschnuppern und sich auf der Zunge zergehen zu lassen. „Ich habe die Jahrgänge in dieser Form selbst noch nie so verkostet“, versucht Walter Polz in Lederhose und lässigen Sneakers, die leichte Anspannung wegzulächeln. Er sei ein Fan der kühleren Jahrgänge – die Jahrgänge 2012, 2009 und 2005 könnten der Einschätzung nach seine Geschmacksknospen zum Jubeln bringen. Begrüßungsworte und los geht’s.

Erste Notiz: kein sonores Ploppen beim Öffnen der Flaschen. Therese kommt stets mit Drehverschlüssen daher. Damit beuge man unsinnigen Interpretationen vor. Auch Holz hat der Wein nie gesehen. Zur Ouvertüre ein Schluck Sausaler Dorfwein Therese 2016 – ein Wein, der gar nicht im Handel erhältlich ist, weil Hagelschlag und Frostschäden im Vorjahr so gut wie alles vernichtet haben. Freundschaftliches Prosten in die Runde, der unter anderem Morandell-Verkaufsleiter Günther Polz-Lari, Andrea Kager-Schwar, Direktorin der Bischöflichen Gutsverwaltung im Schloss Seggau, und Eugen Roth, Geschäftsführer von BMW Gady Lebring, angehören. Die Einstimmung ist gelungen, die Begierde auf der Vertikale wächst. Wir kosten uns von 2015 quasi vorwärts abwärts. Kühle Nächte prägten den Jahrgang und halfen der Frucht, sich zu konzentrieren.

„Guter Druck am Gaumen. Ein Wein, der noch ein Weilchen liegen darf“, lautet der noch vorsichtige Tenor der Verkostertruppe. „Wenn ich mir noch mal aussuchen könnte, mit welchem Jahrgang ich als Winzerneuling starten möchte, wäre 2015 bislang mein Favorit. Wir haben noch nie so bedacht und ruhig geerntet. Ein toller, stabiler Jahrgang“, präzisiert Christoph Polz, der seit sechs Jahren für die Vinifizierung verantwortlich ist. Sein Ziel ist es, keine anonymen Modeprodukte zu keltern, sondern gebietstypische, ausdrucksstarke Weine hervorzubringen. Den Weg dorthin beschreitet er mit erstaunlicher Leichtigkeit im Tun.

Die Gründe für seinen Erfolg sieht das Bindeglied zwischen Vater und Onkel in der Vergangenheit der Familie: „Die Tradition verlangt viel Feingefühl, erleichtert aber zugleich neue Ideen.“ Zurück im Glas, in dem Walter nach seinem Ermessen den bisher tückischsten Jahrgang schwenkt. „2014 hat so gar nicht in unsere Weinwelt gepasst. Es war der bislang schwierigste Jahrgang meiner Karriere. Zu viel Niederschlag, zu wenig Sonne. Dann hat uns der Wein auch noch die Presse kaputt gemacht. Ein richtig zacher Hund!

Aber nur wer gewohnt ist, sorgfältig zu arbeiten, kann mit derartigen Herausforderungen umgehen“, gibt sich Polz schlussendlich doch versöhnlich. „2014 war wirklich ein sehr forderndes Weinjahr, aber das Endprodukt ist deshalb nicht von minderer Qualität. Oft schreibt die Presse einen Jahrgang schlecht und man läuft als Weinbauer Gefahr, weniger zu verkaufen“, mahnt Günther Polz-Lari. Zwischenzeitlich spielt Therese mit den Rezeptoren Fangen.

Während sich 2013 wuchtig und sehr stoffig gestaltet, ist der 2012er überraschend schlank, fast jugendlich. Ein Beweis dafür, dass zwischen den Begrifflichkeiten „alter“ Wein und „gereifter“ Wein Welten liegen. „Der 2012er hat in der Flaschenreifung merklich zugelegt – so gehört sich’s! Ein Lagenwein muss es schließlich schaffen, sich zu verändern und gleichzeitig eine geschmackliche Steigerung zu erzielen“, gibt Peter Holzer, Weinliebhaber und enger Freund vieler südsteirischer Winzer, zu Protokoll.

Mit Pipi in den Augen

Und dann kommt er, 2011, „Christophs erster Jahrgang“. 14,5 Vol.-% bringt der kräftig-warme Jahrgang mit, ohne dabei alkoholischer zu wirken als andere aus der Therese-Vertikale und man könnte fast meinen, Polz junior hätte ein bisserl Pipi in den Augen. Sortentypizität und Trinkspaß haben auch 2010 und 2009, die beide nach wie vor ihr grünes Farbenspiel und ihre Verständlichkeit behalten haben.

Die Weine sind nicht nur das Resultat einer durchdachten Produktphilosophie, sondern auch des perfekten Zusammenspiels von Rebbau und Kellerarbeit. „Wir achten sorgsam darauf, nur Trauben zu verarbeiten, die physiologisch reif sind“, erklärt das Familienkonvolut. Der Anspruch an jeden Jahrgang: „Blindverkostet muss man die Steiermark und ihr charaktervolles Terroir herausschmecken. Wir sind als Familie in dieser Region seit Generationen verwurzelt. Hier sind wir zu Hause, hier wollen wir bleiben. Unsere Weine exportieren unser Zuhause in die Welt.“

Auf Statements wie dieses folgt ein etwas leise geratener 2009er, der fast voreilig von Granaten wie 2008 und 2007 in den Hintergrund gedrängt wird. „2007 ist meine Trinkwelt“, grinst Eugen Roth, Geschäftsführer von BWM Gady Lebring. Vor einem Jahr hat er hier am Gut Pössnitzberg seine Frau Martina geehelicht und ja, SB Therese 2007 war mitunter Trauzeugin. „So viel Frucht! In diesem Wein hätten ja drei Jahrgänge Platz“, tönt Walter Schiefer, Eigentümer der Therme Bad Gleichenberg und Hasenwirt, durch den Verkostungsraum.

Seine Begeisterung für die Lage rührt nicht zuletzt daher, dass Sohn Alexander direkt auf der Theresienhöhe getauft wurde. „Ich kaufe seit 15 Jahren alles zusammen, was diese Lage hergibt.“ Auch Journalistin Ida Metzger kommt bei diesem Jahrgang ins Schwärmen: „Zehn Jahre alt und trotzdem total fruchtig.

Ein Sinnbild für die pure Lust am Trinken.“ Gatte Josef sieht hingegen im 2015er das große Potenzial: „Einer der spannendsten Weine bei dieser Verkostung. Ich bin überzeugt, dass der noch viel Kraft zur Weiterentwicklung in sich trägt.“ Einen großen Sprung machen zum Abschluss 2006 und 2005: Salziger und schlanker als alle bisherigen und mitunter die Lieblinge der VIA-Redaktion.

Andrea Kager-Schwar, Direktorin der Bischöflichen Gutsverwaltung im Schloss Seggau, nickt zustimmend: „Das sind wahre Persönlichkeiten in Flaschen.“ Eine mehr als gelungene Premiere. Wir verbeugen uns.

 

Verkostet

Erstmals in der Geschichte des Weinguts Erich & Walter Polz wurde eine Vertikalverkostung der Therese-Sauvignon-blanc Jahrgänge 2015 bis 2005 durchgeführt. Weine der Riede Theresienhöhe zählen zu den bekanntesten weißen Lagenweinen der Familie Polz. Elf davon wurden in exklusiver Runde verkostet.

Gastgeber

Weingut Erich & Walter Polz
Grassnitzberg 54a
8471 Spielfeld
www.polz.co.at

Austragungsort

Gut Pössnitzberg –
Hotel, Wirtshaus, Sektkeller
Pössnitz 168
8463 Leutschach
www.poessnitzberg.at

 

 

 

TINA VEIT-FUCHS | Fotos: JIMMY LUNGHAMMER